Gedenkorte zur Stationierung der Cruise Misseles im Hunsrück

Neben der Ausstellung zum "Kalten Krieg" im Haus der regionalen Geschichte finden sich noch einige "Gedenkorte" zur Stationierung der Mittelkstreckenraketen im Hunsrück in den 1980er Jahren.
1. die Scheune der Familie Kneip am Ortseingang Bell mit der Raketenkuh

Die "Beller Raketenkuh" wurde von einer Düsseldorfer Künstlergruppe anlässlich der bundesweiten Großdemonstration am 11.10.1986 auf dem Hunsrück aus Protest gegen die Stationierung von 96 mit Atomsprengköpfen bestückten Marschflugkörpern auf dem Stationierungsgelände "Pydna" zwischen Bell und Hasselbach geschaffen.
Die Raketenkuh, zusammen mit den beiden andern künstlerisch gestalteten Seiten auf der der Familie Kneip gehörenden Scheune, symbolisiert den Zorn über die Stationierung der Atomwaffen in Deutschland, sowie die damit verbundenen tödlichen Gefahren, die im atomaren Winter gipfeln.
1997 und 2014 wurden die Wandbilder dank der tätigen Mithilfe der Hunsrücker Jugend und vieler Sponsoren restauriert.
Zum Tag des Denkmals 2015 wurde die Scheune als "das besondere Denkmal" benannt.

1997 und 2014 wurden die Wandbilder dank der tätigen Mithilfe der Hunsrücker Jugend und vieler Sponsoren restauriert.

2. der Friedensacker

Friedenskreuze bei Bell erneuert

Ehemaliger Friedensacker als Ort der Erinnerung und bleibenden Mahnung an atomare Abrüstung

Bell. Es war ein stummer Protest gegen die Nato-Nachrüstung und die Stationierung von Marschflugkörpern im Hunsrück, die 96 Holzkreuze auf einem Acker an der Hunsrückhöhenstraße in der Nähe des Beller Bahnhofs. Jedes der 96 Kreuze stand dabei für eine von 96 Cruise Missiles. Geblieben sind drei Kreuze. Doch die Holzkreuze sind in die Jahre gekommen, nun wurden sie von Mitgliedern der Hunsrücker Friedensbewegung erneuert, als Erinnerung und bleibende Mahnung.

„Diese Kreuze sind eine dauernde Aufforderung, nicht nachzulassen im Einsatz gegen den atomaren Wahnsinn, aber auch für Frieden und Gerechtigkeit“, betont Uli Suppus aus Buch, der sich seit Jahrzehnten in der Hunsrücker Friedensbewegung engagiert. Uli Suppus, sein Schwiegersohn Hendrik ? und Johannes Krisinger aus Kirchberg, ebenfalls ein langjähriges Mitglied der Hunsrücker Friedensbewegung, haben nun die Kreuze erneuert, auch das Schild mit dem erläuternden Text wurde neu angebracht und der Platz etwas umgestaltet. „Für die Hunsrücker Friedensbewegung ist das ein ganz wichtiger Ort, den es zu erhalten gilt“, macht Uli Suppus deutlich.

Entstanden war der Friedensacker an Ostern 1984, im Vorfeld des Ostermarsches. Der damalige Beller Pfarrer August Dahl nannte die Kreuze „ein Zeichen des Lebens und der Hoffnung gegen den Tod“. Der Friedensacker wie auch das angrenzende Stationierungsgelände gehörten zu seiner Kirchengemeinde. Die Kreuze wurden schnell zu einem Symbol des Protestes gegen die Nachrüstung im Hunsrück, und sie waren für viele auch ein Ärgernis. 18 Mal wurden die Kreuze herausgerissen, abgesägt oder zerstört. 18 Mal wurden sie aber auch wieder neu errichtet. Im Vorfeld der Großdemonstration 1986 nahmen Bürger, Gemeinden, Friedensgruppen und ökumenische Arbeitskreise ein Kreuz mit in ihre Heimat, um sich so mit dem Hunsrücker Protest gegen die Atomraketen zu solidarisieren. Im Sommer 1993, als die Mittelstreckenraketen aus dem Hunsrück abgezogen waren, entschied sich die Friedeninitiative dafür, die 96 Kreuze zu entfernen und lediglich drei von ihnen als Mahnung und Erinnerung stehen zu lassen.

In all den Jahren hat der Friedensacker als Symbol des Widerstandes gegen Atomwaffen nichts von seiner Eindrücklichkeit verloren. Seit Jahrzehnten gibt es in Büchel Proteste der Friedensbewegung gegen die dort noch gelagerten Nuklearwaffen, auch Mitglieder der Hunsrücker Friedensinitiative sind hier immer wieder dabei. Seit einigen Jahren gibt es in unmittelbarer Nähe zum Haupttor des Fliegerhorstes Büchel eine „Friedenswiese“, die die Symbolik des damaligen „Friedensackers“ bei Bell aufnimmt. Auf dieser Wiese hinterlassen Friedensaktivisten Zeichen ihres Widerstandes. Es sind Kreuze, Transparente, ein Bildstock, eine Friedensglocke. „Das zeigt doch, dass der Protest gegen Atomwaffen auch heute noch aktuell und wichtig ist“, betont Uli Suppus.

Dieter Junker

Im Laufe der Jahre sind die Kreuze verwittert, daher wurden im August 2019 die drei Kreuze erneuert.

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Videos und Infos zur Friedensarbeit auf dem Hunsrück auch auf pydna.de

Reinhard Szech, einer der Begründer der Friedensarbeit im Hunsrück, pflegt eine eigene Internetseite mit vielen Informationen und Videos aus der Vergangenheit und Bezug zur Gegenwart. Hiert gehts zu pydna.de
www.pydna.de

Auf der Höhe des Hunsrücks: Die Raketenkuh & die Friedensbewegung im Hunsrück

Hier geht's zum Film der Hunsrück-TV Videoproduktion mit Infos zur FI: www.youtube.com/embed/GQXWhuzOQbY




Friedensinitiative Rhein-Hunsrück


1979 schlossen sich in Simmern einige Zivildienstleistende zu einer DFG/VK – Gruppe (Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsgegner) zusammen. Die pazifistische Gruppe demonstrierte gegen die Bundeswehrausstellung „Unsere Luftwaffe“ in Simmern und machte durch eine Kriegsspielzeugumtauschaktion auf sich aufmerksam.

Unter Beteiligung kirchlicher Gruppen organisierte sie 1981 eine „Osterfriedensfahrt“ per Fahrrad zum Flugplatz Hahn, der zweitgrößten US Air Base in Europa. Im November des gleichen Jahres entstand die „Initiative Friedenswoche Rhein-Hunsrück“, die sich mit über 50 Veranstaltungen in Gaststätten und Gemeindehäusern der Region an der bundesweiten „Friedenswoche“ beteiligte und über Rüstungsfragen und Probleme der Dritten Welt informierte.

Am 10. Mai 1982 fand der erste Hunsrücker Ostermarsch statt – wieder zum Flugplatz Hahn. Etwa 400 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich. Weitere Informations- und Protestveranstaltungen folgten. Sie richteten sich insbesondere gegen den „NATO-Doppelbeschluss“, mit dem eine weitere Aufrüstungsrunde in Europa mit neuer Qualität eingeläutet worden war.

Ende 1982 wurde durch ein Sitzungsprotokoll des US-Repräsentantenhauses bekannt, dass der Hunsrück Stationierungsort der atomaren Marschflugkörper „Cruise Missiles“ werden würde: „Wueschheim Air Station“, später bekannt als „B-Battery“ oder „PYDNA“ in der Nähe des Ortes Hasselbach. Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen informierte die Friedensinitiative die betroffene Bevölkerung der Region über die Hintergründe und möglichen Auswirkungen der atomaren Aufrüstung „vor der eigenen Haustür“. Viele Bürgerinnen und Bürger aus allen Teilen der Bevölkerung schlossen sich der Friedensbewegung an.

Der Hunsrück wurde neben Mutlangen zum Kristallisationspunkt der bundesweiten Protestbewegung. Höhepunkt war die Großdemonstration vom 11. Oktober 1986 mit nahezu 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf dem Beller Markt. Die vielfältigen Protestaktionen in all den Jahren blieben nicht ohne Wirkung und trugen mit dazu bei, dass die Cruise Missiles 1990 wieder abgezogen wurden! Viele Aktive aus dieser Zeit setzen sich noch heute auf vielfältige Weise für den Frieden ein.

Großdemonstration am 11. Oktober 1986 auf dem Beller Marktplatz

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